Alle sechs Stunden wird Regenwald in der Fläche der Stadt Zürich abgeholzt

 |  17. März 2019
Regenwald in Borneo (Bild: Dukeabruzzi, Creative Commons Attribute-Share Alike 4.0 International)

Neunzig Prozent der bekannten Tier- und Pflanzenarten leben in Regenwäldern. Die grosse Artenvielfalt ist bedroht: täglich sterben rund 150 Arten aus. Schuld daran ist unter anderem die steigende Nachfrage nach Palmöl.

Rund sieben Prozent der Landmasse ist mit Regenwald bedeckt. Tropische Regenwälder definieren sich durch ein das Jahr hindurch konstantes, feuchtes Klima und Temperaturen zwischen 20 und 29 Grad Celsius. Dies sind ideale Bedingungen für viele Tiere und Pflanzen: Nirgendwo sonst auf der Welt ist die Artenvielfalt so gross wie in den Regenwäldern. Von den rund 1,8 Millionen weltweit bekannten Tier- und Pflanzenarten sind ungefäht 1,6 Millionen im Regenwald zuhause.

Doch diese grosse Artenvielfalt ist bedroht: Schätzungen gehen davon aus, dass hier jeden Tag durchschnittlich 150 Tier- und Pflanzenarten aussterben. Viele davon hat nie ein Mensch zu Gesicht bekommen. ForscherInnen gehen je nach Schätzung von 2-100 Millionen unbekannten Insektenarten aus. Rechnet man alle anderen unbekannten Tierarten dazu, dürfte die Zahl noch höher sein.

Schuld am Artensterben ist vor allem der Mensch. Jahr für Jahr werden grosse Flächen des tropischen Regenwalds abgeholzt, weltweit waren es 2017 allein rund 15,6 Millionen Hektaren. Dies entspricht ziemlich genau der Fläche von Surinam, oder etwa vier Mal der Fläche der Schweiz. Im Jahr davor waren es sogar noch etwas mehr. Die Flächen werden gerodet, um im grossen Stil Monokultur zu betreiben. Wo früher noch dichter Regenwald stand, befinden sich heute Palmöl-, Soja-, Bananen- oder Kaffeeplantagen. Des Weiteren dienen die abgeholzten Flächen als Rinderweiden und aus dem harten Tropenholz werden Möbel und Papier hergestellt.

Die Abholzung hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt

Regenwaldabholzung in Millionen Hektaren

Quelle: Global Forest Watch / World Resources Institute, HoboTraveler

Am stärksten von diesen Prozessen betroffen sind Brasilien, Gebiete Zentralafrikas und der Malaiische Archipel. In Brasilien kommt hinzu, dass der Amazonas für die Stromgewinnung gestaut wird, weil knapp 80 Prozent der Energie durch Wasserkraft gewonnen wird. Grosse Flächen tropischen Regenwalds – und damit auch dessen Bewohner – werden überschwemmt. Im Amazonasbecken ist vor allem in den Jahren 2016 und 2017 ein sprunghafter Anstieg der Abholzung zu verzeichnen.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich in Südostasien. Das Jahr 2016 stellt dort nur einen leichten Ausreisser nach oben dar. Mit rund 3,4 Millionen Hekatren wurde bereits im Jahr 2009 im grossen Stil Rohdung betrieben. Ein stetiger positiver Trend ist auch in den tropischen Gebieten auf dem afrikanischen Kontinent zu beobachten.

Der Spitzenreiter ist Südamerika

Regenwaldabholzung in Millionen Hektaren nach Regionen

Quelle: Global Forest Watch / World Resources Institute, HoboTraveler

Am 1. Januar 2019 hat der neue Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, sein Amt angetreten. Unterstützt wurde der 63-Jährige von Holzfällern, Goldgräbern und Agrarunternehmen. Die Wirtschaft Brasiliens hängt stark vom Export von Rohstoffen wie Soja, Zucker, Kaffee, aber auch Edelmetallen wie Gold oder Kupfer ab und kein anderes Land hat grössere Rinderherden.

Präsident Bolsonaro hat im Wahlkampf mehrfach betont, was er vom Umwelt- und Klimaschutz hält: nichts. Und auch der Schutz von indigenen Völkern ist ihm ein Dorn im Auge. Letzere leben in Schutzgebieten, welche etwa 13 Prozent der Fläche Brasiliens umfassen und sich grösstenteils im Amazonasbecken befinden. Just nach Bolsonaros Wahlsieg im August 2018 haben die Rohdungen wieder sprunghaft zugenommen. Zwischen August und Oktober sollen sie staatlichen Quellen zufolge um fast 50 Prozent angestiegen sein. Viele erwarten unter dem neuen Präsidenten Straffreiheit. Bereits 2017 soll die Fläche von rund einer Million Fussballfelder Regenwald (1,2 Milliarden Bäume) in Brasilien dem Holzschlag zum Opfer gefallen sein, viele Quadratkilometer wohl auf illegale Art und Weise.

Regenwälder schützen unser Klima, indem sie Kohlendioxid aus der Atmosphäre saugen. Die Lunge unseres Planeten wird es aber nicht mehr lange geben, wenn die Rohdungszahlen nicht zurück gehen. Weltweit werden jede Minute rund 35 Fussballfelder Regenwald zerstört. Das entspricht in einem Zeitraum von knapp fünf Tagen etwa der Fläche des Kanton Zürichs. Die Zahl von 35 Fussballfeldern ist allerdings eine konservative Schätzung. In den letzten beiden Jahren waren es deutlich mehr.

Gibt es schon bald keinen Regenwald mehr?

Flächenvergleich für verschiedene Zeiten

Methode

Flächenvergleich-Grafik: Zur Berechnung der Flächen wurde eine Abholzung von 35 Fussballfelder pro Minute angenommen. Für ein Fussballfeld wurde mit einer Fläche von 7140 m² gerechnet, was einem Standardfussballfeld der UEFA Kategorie 3 oder 4 entspricht. Die Werte auf der Zeitachse sind gerundet. Die Werte in der Grafik sind jeweils auf zwei Einheiten gerundet (z.B. Stunden und Minuten oder Jahre und Tag). Global Forest Watch hat 2017 eine Abholzung von ca. 160’000 km² tropischem Regenwald durch Satellitenbilderaufnahmen errechnet. Dies wäre gut 20% mehr und würde ca. 43 Fussballfelder pro Minute entsprechen. Geht es mit dieser Rate weiter, wird es sogar bereits nach 84 Jahren keinen tropischen Regenwald mehr geben. Nimmt man den Durschnitt zwischen 2014 und 2017, kommt man auf 36 Fussballfelder. 

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