Wenn die Wüste wächst

 |  10. März 2019
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Aus wertvollem Ackerland wird unfruchtbare Wüste. Ein Szenario das für viele bittere Realität ist: Laut der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation gehen jährlich rund 12 Millionen Hektaren fruchtbares Land verloren und werden zu Wüste. Dabei sind primär Afrika und Asien von Landdegradation betroffen und Millionen von Menschen sind einem Prozess ausgesetzt, der laut der UNO zu einem der grössten Problemen nachhaltiger Entwicklung gehört.

Mit dem Ausdruck Wüste werden meist Trockenheit und Hitze assoziiert. Dabei ist der Begriff vielschichtiger. Gemein ist all diesen Regionen nur, dass sie kaum oder gar keine Vegetation aufweisen und maximal 25 cm Regen pro Jahr fallen. Nebst Sand und Steine können auch Salz oder Eis das Landschaftsbild einer solchen Region prägen.

Die Angaben, wie viel Fläche tatsächlich Wüste ist, variieren teils. Laut National Geographic beispielsweise sind circa 20 Prozent der Erdoberfläche Wüste – wobei fast ein Sechstel der Weltbevölkerung in diesen unwirtlichen Regionen lebt. Der Vergleich von Deutschland mit den fünf grössten Wüsten zeigt eindrücklich auf, wie dominant diese Landschaftsform auf unserem Planet auftritt.

Die Wüste nimmt sich Land

Fläche der grössten Wüsten in Millionen Quadratkilometer

Quelle: www.geology.com

Einer der zentralen Auslöser der Desertifikation ist der Mensch. Nebst dem Klimawandel und dem damit verbundenen Ausbleiben von Regen sind auch die intensive Landwirtschaft oder die übermässige Nutzung des Grundwassers verantwortlich für die Verödung von Kulturland. Fressen die Nutztiere beispielsweise mehr Pflanzen als nachwachsen können, laugen die Böden aus. Der natürliche Schutz des Bodens ist weg und es kann eine Wüste entstehen.

Ob im Süden von Europa, Südamerika oder dem Sahel: Verwüstung stellt für die Betroffenen eine Katastrophe dar. Trifft es beispielsweise die Landwirtschaft sind meist die ärmsten der Gesellschaft am stärksten betroffen. Fehlen Wasser und Vegetation, so ist nicht nur Nahrungsunsicherheit die Folge: Krankheiten oder kriegerische Auseinandersetzungen sind weitere mögliche Folgen. Durch Verwüstung sind weltweit bereits mindestens zehn Millionen Menschen zu Umweltflüchtlingen geworden, 135 Millionen weitere sind akut bedroht. Obwohl solche Zahlen spekulativ und nicht unbestritten sind, ist klar, dass Lebensraum verschwindet und die Bewohner unter teils massiven Folgen leiden.

Um sich der Konsequenzen einer solchen Entwicklung bewusst zu werden, muss man sich die Zahlen vors Auge führen. Nach Angaben der Eurpäischen Kommission sind aktuell etwa 75% der Landfläche bereits betroffen – Prognosen gehen weiter davon aus, dass bis 2050 90% betroffen sind. In ganz Afrika gehen jährlich etwa 280 Millionen Tonnen der Getreideernte durch die Verödung der Böden verloren. Allgemein ist der Effekt der genannten Prozesse schwierig zu quantifizieren und es werden verschiedene Werte gehandelt. Was bleibt ist der Fakt, dass Menschen, Tiere und Pflanzen bedroht sind.

Die Vereinten Nationen

Der Herausforderung hat sich auch die UNO angenommen. Nach der verheerenden Dürre der 1960/1970er in der Sahelzone wurde das Thema von der Generalversammlung der Vereinten Nationen 1974 aufgenommen. Fast 20 Jahre später – 1994 – wurde die Konvention UNCCD gegründet. Das Übereinkommen zur Bekämpfung der Wüstenbildung hat aber eher eine begleitende als eine aktive Rolle. So werden die konkreten Massnahmen meist von den Staaten selber durchgeführt.

Um dem Prozess der Wüstenbildung aufzuhalten laufen weltweit verschiedene Projekte. Das wohl bekannteste Projekt ist die Grüne Mauer der Afrikanischen Union. Ein Mosaik von regional gepflanzten Bäumen und gepflegter Kulturlandschaft soll als Schutz vor der Sahara den Kontinent von West nach Ost durchschneiden und so weitere Verödung im Süden verhindern. Andere Beispiele finden sich im World Atlas of Desertification. So wird mithilfe von steinernen Mauern die Erosion in China bekämpft oder mittels Auffangbecken am Mount Kenya der spärliche Regen effizienter genutzt.

Lösungsansätze sind also vorhanden. Dennoch schreitet die menschgemachte Verwüstung des Planeten fort. Die konkreten Folgen sowie deren Ausmass sind zwar in der Quantität bestritten, eindeutig ist jedoch, dass der Prozess eine grosse Herausforderung für die Staatengemeinschaft alle Betroffenen bleibt. Und nur eine Lösung für die gesamten Klimakatastrophe und Reformen in der Bodennutzung langfristig Besserung bringen können.


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Veröffentlicht in: Klimawandel