In der Schweiz ist es so warm wie noch nie

 |  10. März 2019

Kurzfristige Wetterextreme können über den generellen Trend des Klimawandels hinwegtäuschen. Langfristige Zahlenreihen zeigen aber auf, dass die Klimaerwärmung in den letzten 30 Jahren an Fahrt aufgenommen hat.

Der Februar 2019 war ausserordentlich warm, besonders in den Bergen. Dort lagen die Temperaturen im Schnitt mehrere Grad über dem langjährigen Mittel. Auch im Flachland konnte man frühlingshafte Tage geniessen, nicht wenige haben bereits den Grill angefeuert. Ein Ausreisser? Oder können wir generell mit wärmeren Temperaturen im Winter rechnen?

Nun kann man vom heute beobachteten Wetter nicht direkt auf das Klima schliessen. Klima ist die Betrachtung des Wetters über einen längeren Zeitraum, einige Tage anhaltender Kälte- oder auch Hitzeperioden fallen kaum ins Gewicht. Oft genug werden von KlimawandelskeptikerInnen besonders kalte Perioden wie die letztjährige «sibirische Kältepeitsche» fälschlicherweise als Beweis gegen die Klimaerwärmung aufgeführt.

Ein Blick auf die schweizweiten Temperaturmittelwerte der letzten 100 Jahre zeigt jedoch, dass das warme Februarwetter mit dem langfristigen Klimatrend übereinstimmt. Speziell in den letzten 30 Jahren wurde die Klimaerwärmung augenfällig. Wenn man die Periode von 1918 bis 2018 in drei gleich grosse Teile unterteilt, unterscheiden sich die ersten beiden Perioden von Auge kaum nennenswert (Abbildung 1). Anders sieht dies in der jüngsten Periode (ab 1986) aus, hier sind die allermeisten Spitzentemperaturen zu finden.

Fast alle Hitzemonate fanden in jüngerer Zeit statt

Monatstemperaturen 1918-2018

Abbildung 1, Datenquelle: MeteoSchweiz

Starke Kälteperioden mit medienwirksamen Namen wie «Kältepeitsche» vermitteln zusammen mit sommerlichen Hitzewellen den subjektiven Eindruck, dass das Wetter ganz generell extremer geworden ist. Dieser Eindruck täuscht aber: ETH-WissenschaftlerInnen kommen zum Schluss, dass Hitzewellen zwar stark zugenommen haben, Kälterekorde hingegen seltener geworden sind1. Es gibt mehr und intensivere Hitzetage, die Anzahl der Kältetage nimmt ab. Das Klima ist also nur einseitig extremer geworden. Die Zahlen von MeteoSchweiz verdeutlichen dies: Die allermeisten Hitzespitzen auf monatlicher Basis finden sich in den letzten 30 Jahren, für richtig kalte Monate muss man weit in die Vergangenheit zurückgehen.

Klimaerwärmung nimmt rasant an Fahrt auf

Abweichungen Monatstemperaturen und Jahresmittelwerte 1918-2018

Abbildung 2, Datenquelle: MeteoSchweiz

Eindrücklich zeigt sich die Erwärmung auch, wenn man nicht die Mitteltemperaturen selbst betrachtet, sondern die Abweichungen vom 100-jährigen Durchschnitt (Abbildung 2). Auch hier stechen die letzten 30 Jahre hervor, sehr viele überdurchschnittlich heisse Monate finden sich in dieser Periode. Noch stärker wird der Kontrast, wenn man nicht auf die Monatsabweichungen, sondern die Jahresmitteltemperaturen fokussiert (Button «Jahresmittel» klicken). Ausgehend von der durchschnittlichen Jahrestemperatur der letzten 100 Jahre war es in den letzten 30 Jahren im Schnitt 0.8 Grad Celsius wärmer.

Dies bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Schweiz. Weil durch die höheren Temperaturen auch die Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre zunimmt, kommt es zu einer Zunahme von Starkniederschlägen.
Im Winter wird es mehr mittlere und starke Niederschläge geben. Im Sommer nimmt das Risiko für Trockenheit zu, zusammen mit dem Hochwasserrisiko. Dies ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch: Die totale Niederschlagsmenge im Sommer nimmt zwar ab, zeitgleich aber nehmen die Starkniederschläge zu1. Dies führt zum gesteigerten Risiko für Hochwasser und Trockenheit: Es wird zwar weniger regnen, aber wenn, dann richtig.

Der Klimawandel lässt sich aufgrund der Zahlen nicht von der Hand weisen, er ist auch (zumindest wissenschaftlich) unumstritten. Aber wie gross ist der menschgemachte Anteil? Weil wir nur eine Erde haben, lässt sich dies nicht experimentell beweisen. Aufgrund der Analyse von langen Beobachtungsreihen und Simulationsexperimenten können WissenschaftlerInnen aber mit äusserst hoher Wahrscheinlichkeit auf einen vom Menschen verursachten Klimawandel schliessen2. Eine Metaanalyse von wissenschaftlichen Artikeln zum Thema zeigt denn auch auf, dass 97-98% der KlimaforscherInnen vom menschlichen Ursprung des Klimawandels überzeugt sind. Die Analyse weist auch darauf hin, dass die 2-3% nicht überzeugten WissenschaftlerInnen deutlich weniger Fachwissen zum Thema besitzen, gemessen an der Anzahl ihrer Klimapublikationen3.


1 Fischer et al. (2016): Klima- und Wetterextreme. In: Brennpunkt Klima Schweiz. Grundlagen, Folgen und Perspektiven, 52-59. Link.

2 Gudmundsson (2017): Wie weist man den menschengemachten Klimawandel nach? Link.

3 Anderegg et al. (2010): Expert credibility in climate change. Proceedings of the National Academy of Sciences, 107(27), 12107-12109. Link.

Datenquelle: MeteoSchweiz, Schweizer Temperaturmittel: Begert M, Frei C. 2018. Long-term area-mean temperature series for Switzerland – Combining homogenized station data and high resolution grid data. International Journal of Climatology, 38(6): 2792-2807. Link.

Titelbild: Pixabay. Inspiration: nrc.nl, SRF Data

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